Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie
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Der römische Vicus von Nettersheim

Die Grabungen 2012-2016

In zwei großen Grabungskampagnen 2012 und 2013 konnten wir an der Alten Gasse ein großes rechteckiges Gebäude („Handwerkerhaus“) freilegen, das mit seiner Längsseite an der römischen Fernstraße orientiert war. Im rückwärtigen Hausbereich konnten wir eine große Herdstelle (Esse?) und einen kleinen (Eisen-)Schmelzofen sowie eine aus Stein gesetzte (Werk-?)Bank freilegen. Die Einbauten deuten darauf hin, dass im rückwärtigen Hausbereich eine Schmiede betrieben wurde. Das wohl bereits im 1. Jh. angelegte Gebäude brannte mehrfach ab und wurde, zumindest einmal mit verändertem Grundriss, immer wieder aufgebaut. Um die Mitte des 3. Jhs. ist es in einer großen Brandkatastrophe, die weite Teile des Vicus getroffen hat, ein letztes Mal untergegangen und dann aufgegeben worden.

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Bereits 2013 wurde unmittelbar südlich des „Handwerkerhauses“ eine größere gekieste Fläche angeschnitten, die als Indiz für eine angrenzende Nebenstraße gedeutet wurde. Diese Vermutung hat sich 2014 bestätigt. Die hangaufwärts führende Straße wurde mehrfach massiv aufgekiest. Am nördlichen Straßenrand entwässerten kleine Kanäle in mit Steinen ausgekleidete runde Schöpfbrunnen. Bisher ist noch nicht geklärt, ob diese Wasserentnahmestellen Teil der Infrastruktur der Straße darstellen oder im Zusammenhang mit der Wohn- und Gewerbebebauung zu sehen sind. Eine Überraschung brachte 2015 die Erweiterung der Untersuchungsfläche hangaufwärts: auf der Straße und über dem vom „Handwerkerhaus“ herabgestürzten Brandschutt konnten wir die gut erhaltenen Reste eines einfachen Gebäudes freilegen. Große wiederverwendete Steinblöcke (Spolien) und die Südmauer des zerstörten „Handwerkerhauses“ bildeten das Unterlager eines Holz- oder Fachwerkbaus, der den Straßenbereich komplett überbaute. Im Inneren des Gebäudes waren mindestens zwei Herdstellen und eine steinerne (Werk-?)Bank erhalten, die auf handwerkliche Tätigkeiten schließen lassen. Bemerkenswert ist, dass man den öffentlichen Straßenraum nach der Brandkatastrophe des 3. Jhs. für private Zwecke nutzen konnte. Die unmittelbar angrenzende Ruine des „Handwerkerhauses“ wurde dagegen nicht mehr aufgebaut.
Ebenfalls 2015 gelang es, erste kleine Hinweise auf eine kriegerische Ursache der Brandzerstörung im 3. Jh. zu bekommen: im Brandschutt des „Handwerkerhauses“ fanden wir die Reste einer genagelten (Militär-?)Sandale und eine große Pfeilspitze.
In der Grabungskampagne 2016 soll die Untersuchungsfläche im Bereich der Nebenstraße und des Handwerkerhauses hangaufwärts erweitert werden.

Kooperationspartner:

  • Gemeinde Nettersheim
  • LVR-Amt für Bodendenkmalpflege
  • Geographisches Institut der RWTH Aachen
  • Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln (Labor für Archäobotanik, Labor für Dendroarchäologie)
  • Dr. H. Christian Credner (Trier)