Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Provinzialrömische Archäologie
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Siedlungs- und Handelsgeschichte der spätantiken Metropole Karthago (Tunesien) im Lichte römischer Keramik (4.–7. Jh.)

Ausgewählte Fundkomplexe und Materialien der deutschen Ausgrabungen

Kobbat Innenansicht

Trotz ihrer historischen Bedeutung als große Gegenspielerin Roms, aber auch als Metropole und Hauptstadt der Provinz Africa Proconsularis in der römischen Kaiserzeit war von Karthago lange Zeit archäologisch kaum etwas bekannt. Dies änderte sich erst während der 1970er Jahre, als unter dem Patronat der UNESCO großflächige Ausgrabungen durch Teams aus verschiedenen Nationen durchgeführt wurden. Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) konzentrierte sich dabei auf zwei Bereiche an der Küste, die heute als archäologische Parks der Öffentlichkeit zugänglich sind. Zudem untersuchte S. Storz (damals Rom, jetzt Dresden) ein exzeptionelles unterirdisches Gebäude, die sog. Kobbat Bent el Rey, im Norden der Stadt. Dabei wurden große Mengen an Fundmaterial, vornehmlich Keramik, geborgen, das vom 8. Jh. v. Chr. bis in das 7. Jh. n. Chr. datiert.

 

Im Zentrum des Projekts stehen die Analyse und Auswertung ausgewählter Fundkomplexe der Spätantike aus den deutschen Ausgrabungen. Dabei soll die Entwicklung der Stadt in ihren zentralen Bereichen während des 4.–7. Jhs. erforscht werden. Zudem erlaubt die Bearbeitung der Untersuchungen an der Kobbat Bent el Rey eine chronologische Einordung dieses einzigartigen Bauwerks und seiner näheren Umgebung.

 

ARS_KarthagoEinen zweiten Schwerpunkt nehmen handelsgeschichtliche Fragestellungen ein: Wie wurde Karthago in der Spätantike mit Waren, im gegebenen Fall insbesondere mit Keramik, versorgt? Gibt es im Laufe der Zeit Veränderungen? Wie ist die Stadt in den regionalen Handel, aber auch den Fernhandel eingebunden? Zuletzt lässt die Auswertung der Fundkomplexe neue Erkenntnisse zur spätantiken Keramik in Nordtunesien erwarten.

Das Projekt wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert und erfolgt in Kooperation mit dem DAI Rom und dem Institut National du Patrimoine Tunis.

Projektleiter: Prof. Dr. Michael Mackensen
Mitarbeiter: Dr. des. Sebastian Schmid

Bild oben rechts:

Innenansicht der Kobbat Bent el-Rey im Norden von Karthago.
Bild unten rechts:

Auswahl spätantiker stempelverzierter nordafrikanischer Sigillata

aus den Ausgrabungen des DAI in Karthago.

Literatur:

F. Rakob (Hrsg.), Karthago I. Die deutschen Ausgrabungen in Karthago (Mainz 1991).
F. Rakob (Hrsg.), Karthago II. Die deutschen Ausgrabungen in Karthago (Mainz 1997).
F. Rakob (Hrsg.), Karthago III. Die deutschen Ausgrabungen in Karthago (Mainz 1999).
H. Dolenz/Ch. Flügel, Karthago IV. Die deutschen Ausgrabungen in Karthago. Römische und byzantinische Großbauten am Decumanus Maximus (Mainz 2012).
S. Storz, La Kobbat Bent el Rey. Rapport préliminaire sur les recherches effectuées de 1978 à 1989. CEDAC 12, 1991, 41–60.
S. Storz, La Kobbat Bent el Rey. In: A. Ennabli (Hrsg.), Pour sauver Carthage. Exploration et conservation de la cité punique, romaine et byzantine (Paris 1992) 155–160.
M. Mackensen, Die spätantiken Sigillata- und Lampentöpfereien von El Mahrine (Nordtunesien). Studien zur nordafrikanischen Feinkeramik des 4. bis 7. Jahrhunderts. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 50 (München 1993).